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Neujahrsempfang Diakonie Kästorf – Gedanken über soziale Themen (26.01.18)

Wie Integration gelingen kann

v. l. n. r.: Dr. Jens Rannenberg, Dietrich Grothe, Maritta Rautmann, Hans-Peter Daub

Es war ein bunt gemischtes Publikum, das am letzten Freitag im Januar in der Gifhorner Stadthalle zum Neujahrsempfang der Diakonie Kästorf zusammenkam: Vorstand Hans-Peter Daub begrüßte rund 350 Bewohner und Angehörige, Mitarbeitende und Ehrenamtliche, Partner und Freunde aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Um Integration und die Frage, wie diese gelingen könne, rankte sich das Programm der Veranstaltung.

„In einer Arbeitsgesellschaft ist Arbeit das wichtigste Medium der Integration, der entscheidende Zugang zum Arbeitsmarkt ist aber Bildung“, sagte der Diakonie-Vorstand in seinem Impulsreferat. Er verwies darauf, dass niemand lernen kann, der sich nicht zugehörig und existenziell sicher weiß: „Voraussetzung für Bildung und Integration sind ein sicherer Aufenthaltsstatus und die Ermöglichung von Zugehörigkeit zur Gesellschaft.“ Das Selbstinteresse eines Staates, der dem Fachkräftemangel entgegenwirken und Frieden leben möchte, müsse genau im Gegenteil von Abschottung liegen. Ein solcher Staat müsse Zuwanderung zulassen, Kompetenzen der Zugewanderten erkennen und achten, brauche aber auch Regelungen und Haltung. Nur so könnten sich Potenziale entwickeln. Wie das in der Praxis aussehen kann und wo dabei Schwierigkeiten und Stolpersteine liegen, wurde in einer Talkrunde deutlich. Die Diakonie Kästorf und die Dachstiftung Diakonie haben eine Initiative gestartet, mit deren Hilfe jugendliche Flüchtlinge eine Ausbildung in der Dachstiftung Diakonie beginnen können. Im Interview mit Ingetraut Steffenhagen und Susanne Künne von der Dachstiftung Diakonie, berichteten die Azubis Momo aus Afghanistan, Olivier und Serge aus Afrika gemeinsam mit Ausbildern und Betreuern von ihren Erfahrungen. „Die Ausbildung macht Spaß, aber die deutschen Fachbegriffe in der Berufsschule sind schwer“, schilderte der 20-jährige Momo. Serge dagegen verwies darauf, dass er eigentlich keinen Anspruch auf den wichtigen B-Sprachkurs hatte. „Ich habe das Geld dafür selbst zusammengespart, weil ich ohne die entsprechende Prüfung keine Ausbildung beginnen konnte.“

Politisch äußerte sich Diakonie-Vorstand Dr. Jens Rannenberg: „Soziale Arbeit ohne ehrenamtliche Unterstützung ist heutzutage überhaupt nicht denkbar“, erklärte er und nannte Zahlen: „Die Kluft zwischen arm und reich in unserer Gesellschaft nimmt weltweit immer mehr zu. 1% (!) der Weltbevölkerung verfügt über knapp 51% des gesamten Vermögens dieser Welt, so die jüngste OXFAM-Studie. Die reichsten fünf Prozent besaßen in Deutschland im Jahr 2014 mit gut 51% mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens, so eine DIW-Studie von 2017. Ohne ehrenamtliche Helferinnen und Helfer ließe sich soziale Arbeit heute nur unzureichend und nicht zufriedenstellend gestalten.“ Daher werde in jedem Jahr der Kästorfer Baustein für herausragendes soziales Engagement vergeben. Der Kästorfer Baustein soll symbolisch an den Beginn der Stiftung Diakonie Kästorf als Arbeiterkolonie erinnern, die auf dem Gelände einer Ziegelei errichtet wurde. Verbunden mit dem Kästorfer Baustein, einem Glasquader mit eingearbeitetem dreidimensionalem Kronenkreuz, ist ein Geldbetrag in Höhe von 1.000 Euro. Diese Summe ist mit der Verpflichtung verbunden, damit ein gemeinnütziges Projekt zu fördern. „In diesem Jahr ehren wir eine Frau und einen Mann mit dieser Auszeichnung. Den Baustein teilen sich Maritta Rautmann und Dietrich Grothe aus Gifhorn“, verkündete Dr. Rannenberg. Die beiden ehrenamtlichen Mitarbeitenden engagieren sich seit Jahren mit viel Herzblut und Geduld in der Flüchtlingshilfe der Diakonie Kästorf – selbstlos, bescheiden und stets zugewandt. Für diesen unermüdlichen Einsatz erhielten die beiden Ehrenträger des Kästorfer Bausteins jede Menge Applaus sowie große Anerkennung ihres Mitwirkens am Gelingen von Integration.